
Geschichte und Philosophie
des Zuchtbetriebes Kisselmühle
Die
Kisselmühle hat ihren geographischen Ursprung im 12. Jahrhundert, damals
zugehörig als „Außenhof“ zum Zisterzienserkloster Eberbach , im Rheingau
zwischen Wiesbaden und Rüdesheim gelegen , berühmt u. a. für den Anbau
exquisiter Weine , nicht zuletzt bedingt durch die ganztägige Sonneneinstrahlung
der Rebstöcke, die letztlich wiederum ihren Ursprung in der Ost / West -
Fließrichtung des Rheins hat, also dem Stückchen Rhein, das den Namen
„Rheingau“ trägt.
Die
Kisselmühle selbst liegt in einem kleinen Seitental, 3 km vom südlichen
Rheinufer entfernt. Unser kleines Tal verläuft etwa in Süd / Nordrichtung. Ein
schmaler Bach durchfließt das Tal- im oberen Teil Kisselbach genannt, in
Richtung Süden heißt er dann Eberbach, gesäumt von Naturwiesen, umschlossen von
Mischwald , rund 10 ha Wiesen. Was tun mit diesem verwunschenen Tal, stark
zugewachsen, verholzt, verwildert und mit dem Stempel „Naturschutzgebiet“
versehen !
Alte Zeichnungen und Fotografien die ein offenes Wiesental mit einem Bachlauf
zeigen, ließen die Familie Kraft nicht mehr los. Die Familie Kraft kaufte 1989
nacheinander verschiedene heimische Tierrassen für die Beweidung - das
Beweidungsergebnis war nie optimal gerade für den Landschaftsschutz ! Sie
suchten weiter und „fanden“ durch Zufall diese kleinen , friedlich /
freundlichen, fremdartigen Wesen mit Namen ALPAKA. Es war Liebe auf den ersten
Blick - Sie kauften im Jahr 1990 eine Gruppe Alpaka + eine Lamastute - und waren
gar nicht sicher, in wie weit diese Tiere für ihr Ansinnen tauglich waren ! Von
ihren Vorzügen in Sachen Schonung der Bodenflächen durch ihr anderes
Trittverhalten, - ihren Schwielensohlen, - ihre Art Nahrung (Gras) nur mit den
Lippen aufzunehmen, ihr ganzes Verhalten, ihre Genügsamkeit ect., konnten Sie
sich sehr bald überzeugen. Die Universität für Tiermedizin in Giessen/Hessen gab
ihnen Wissen und die Überzeugung, daß sie gerade im Bezug auf Naturschutz mit
dem Kauf dieser Tiere einen Volltreffer gelandet hatten.
Das
1. Ziel, die Bewahrung eines kleinen, schönen Tales in seiner Ursprünglichkeit,
das sie zufällig fanden, hatten sie nur teilweise mit dem Kauf dieses Tales
(bestehend aus sehr vielen einzelnen Parzellen) erreicht, mit dem Kauf der
Alpaka und Lama aber und durch deren Art von Beweidung waren sie in Sachen
praktizierender Landschaftsschutz ein ganzes Stück weiter gekommen. Nach
langjähriger Behinderung, Verzögerung, ja Willkür seitens eines „Amtes“ ist es
ihnen mit Hilfe des sehr kooperativen Landwirtschaftsamtes, des staatlichen
Veterinäramtes, der Uni Gießen, der Stadt Eltville wie auch der massiven Hilfe
eines hiesigen Anwaltes, ( Letzterer kennt und liebt dieses kleine Tal von
Kindheit her, und schätzt das Bemühen um die Erhaltung dieses Tales) gelungen,
endlich einen Stall für die Tiere zu bauen.
Das zweite Ziel dem sie
sich verschrieben haben, ist sehr komplex; es ergibt sich, wenn man sich näher
mit diesen Tieren in deren Heimat beschäftigt, den leider negativen Einflüssen
der Europäer in der Zeit der Eroberung Südamerikas , des teils unsinnigen
Abschlachtens der Tiere aus irgendwelchen profanen Gelüsten der Eroberer heraus,
durch Krankheiten + vieles andere mehr + letztlich das Absacken der
Herdenbestände bis in die heutige Zeit. Dazu kommen Verluste in den vorhandenen
Herden durch ( teils geschützte ) Wildtiere , ein teils Mehrbestand an Hengsten
als notwendig, ein nicht beachten von Vermischung der Lama + Alpaka, ein
Nichttrennen in Stuten und Hengstherden und vieles mehr, woraus sich auch die
niedrige Fertilitätsrate in den dortigen Ländern wahrscheinlich erklären lässt.
Mit der Haltung und der Zucht dieser Kleinkameliden geben wir in unseren Ländern
nicht zuletzt den tiermedizinischen Universitäten die Möglichkeit, Forschungen
anzustellen, die mit die Grundlage bilden, den Herdenbestand in den Andenländern
zu verbessern - was uns Europäern auch zum Vorteil gereicht - und um den
Stellenwert der Lama/Alpaka in deren Heimatländern wieder einzunehmen, der den
Tieren, dem Land und den Menschen zukommt. In erster Linie stehen heute die
Zucht von Lamas und Alpakas unter der Berücksichtigung des aktiven
Landschaftsschutzes an erster Stelle. Des weiteren möchten wir das Tal, in
welchem wir uns angesiedelt haben, in seiner natürlichen Schönheit und
Ursprünglichkeit erhalten. Das gezielte Anpaaren der
Lama und Alpaka auf Farbe und Feinheit der Wolle hat neben korrektem Körperbau
und ausgeglichenem Charakter oberste Priorität. Durch den Verkauf der Jungtiere,
Gewinnung und Verkauf der Wolle/Wollprodukte sowie die Nutzung der Tiere im
Bereich Trekking ist die die Rentabilität des Unternehmens auf lange Sicht hin
zu sichern. Gerne versuchen wir heute in Zusammenarbeit mit den
Touristenverbänden dem Rheingau eine zusätzliche „Attraktion“ zu geben. Viele
glückliche Kinder- und zufriedene Erwachsenengruppen bestärken uns in unserer
Arbeit.